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Robert Kemna: Verantwortung, Wissenschaft und Longevity im Profifußball

 

Manche Berufswege verlaufen geradlinig. Der von Robert Kemna nicht. Aus einer eigenen, verletzungsbedingten Abkehr vom Spielertraum wurde eine Laufbahn als Physiotherapeut, die ihn über Ehrenamt, Ausbildung und wissenschaftliches Arbeiten schließlich in den Profifußball geführt hat – an den Rand der Alten Försterei zu Union Berlin. In unserem Podcast “MORE THAN PHYSIO” haben wir mit Robert über seinen Weg, den Alltag im Profisport und seine Sicht auf Longevity gesprochen.

Von der Verletzung in den Beruf

Robert erzählt offen, wie seine eigene Verletzung ihn auf den Weg in die Physiotherapie brachte. Die Erfahrung, selbst von einem sehr guten Physiotherapeuten begleitet worden zu sein, war der Auslöser dafür, anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. Die Ausbildung an der Charité legte das fachliche Fundament – für Robert jedoch nie als Selbstzweck, sondern als Weg, Praxis und Verständnis zu vertiefen.

Vom Ehrenamt zu Union Berlin

Seinen Einstieg beschreibt Robert als klassischen, aber glücklichen Weg: Auf Rat seiner Mutter begann er ehrenamtlich im Nachwuchsbereich, sammelte dort erste praktische Erfahrung und bekam später eine feste Anstellung. Während besonderer Umstände – etwa in der Corona-Zeit – durfte er schließlich bei den Profis aushelfen. Dieses direkte Handeln als junger Therapeut, das eigenständige Entscheiden und Reagieren auf Verletzungen, war für ihn ein prägender Lernraum, den die reguläre Praxis in dieser Form selten bietet.

Wissenschaft als Werkzeug, nicht als Selbstzweck

Robert ist bis heute akademisch unterwegs: Ausbildung, Bachelor, Master in manueller Therapie und aktuell eine Doktorarbeit zeigen seine Suche nach tieferem Verständnis. Für ihn bedeutet wissenschaftliches Arbeiten nicht, die Praxis zu entwerten, sondern die Fähigkeit zu entwickeln, Hypothesen zu bilden, zu testen und differenzierter zu entscheiden. Statt Schwarz-Weiß-Antworten eröffnet Forschung für ihn einen “Grauton” – die Fähigkeit, evidenzbasiert zu denken und dabei immer den individuellen Menschen im Blick zu behalten.

Alltag und Verantwortung im Profisport

Der Arbeitsalltag im Profifußball ist geprägt von Variabilität und hoher Arbeitszeit. Robert beschreibt einen typischen Trainingstag mit Morgen-Checks, Mobilisationen, Präventionsprogrammen und der Reha-Versorgung verletzter Spieler – dazu intensive Spieltagsvorbereitungen. Die Arbeitszeit richtet sich nach dem Saisonplan, nicht nach einer klassischen 40-Stunden-Woche.

Gleichzeitig trägt diese Arbeit große Verantwortung: Sportler:innen haben nur ein begrenztes berufliches Zeitfenster, oft hohen Leistungsdruck und den starken Wunsch, schnell zurückzukehren. Genau hier verläuft der schmale Grat zwischen kurzfristiger Spielfähigkeit und langfristiger Nachhaltigkeit. Kommunikation wird für Robert zur Schlüsselfähigkeit: aufklären, Vertrauen aufbauen und gemeinsam mit den Spieler:innen tragfähige Entscheidungswege finden.

Der nächste Schritt: eine eigene Einrichtung im Osten Berlins

Aus dieser langjährigen Praxiserfahrung ist bei Robert der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung gewachsen: die Gründung einer physiotherapeutischen, rehabilitativen Einrichtung im Osten Berlins. Sein Ziel ist es, das Club-Feeling und die interdisziplinären Bausteine des Profibereichs einer breiteren, nicht-elitären Zielgruppe zugänglich zu machen. Vorgesehen ist ein Ort, der Bewegungs- und Reha-Bausteine kombiniert und dabei seine biomechanische Herangehensweise, Teamarbeit und Patientenzentrierung vereint. Das Projekt befindet sich noch in der Vorbereitung.

Kommunikation, Aktivität und Longevity als Leitmotive

Drei Themen ziehen sich durch Roberts gesamte Erzählung: klare Kommunikation, der Fokus auf Aktivität und ein pragmatisches Verständnis von Longevity.

Kommunikation bedeutet für ihn, Patient:innen und Spieler:innen verständlich zu erklären, welche Strukturen betroffen sind und welche Entscheidungen welche langfristigen Folgen haben können.

Aktivität sieht er als zentralen Heilfaktor – “Aktivität bringt Heilung” ist für ihn mehr als ein Slogan, sondern eine therapeutische Grundhaltung, die Patient:innen nicht an die Liege bindet, sondern befähigt, selbstwirksam Belastbarkeit aufzubauen.

Beim Thema Longevity vertritt Robert eine bodenständige Haltung: Bewegung, Training, Stressmanagement und Regeneration bilden die Basis. Zusätzliche, teure Maßnahmen können diese Basis ergänzen – sie können sie aber nicht ersetzen.

Jetzt reinhören

Du möchtest die ganze Folge mit Robert Kemna hören und tiefer in seine Erfahrungen, konkrete Alltagsbeispiele und seine Pläne für die Zukunft eintauchen? Hör dir jetzt die MORE THAN PHYSIO-Episode mit Robert an – Inspiration für alle, die in Therapie, Sport oder Gesundheitsmanagement arbeiten, und für alle, die ihre eigene Praxis weiterdenken wollen.

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